Die wichtigsten Änderungen in der betrieblichen Altersvorsorge durch das Betriebsrentenstärkungsgesetz ( BRSG )

  • Zur Stärkung der Betriebsrente sind mit dem Betriebsrentenstärkungsgesetz (BRSG) am 01.2018 zahlreiche Neuerungen in Kraft getreten.
  • Das BRSG zielt darauf ab, die Betriebsrente insbesondere auch in kleinen und mittleren Unternehmen weiter zu verbreiten.
  • Auch für Beschäftigte mit geringem Einkommen wurde ein Anreiz zur zusätzlichen Altersvorsorge geschaffen.
  • Das Gesetz beinhaltet Maßnahmen für bessere steuer- und sozialversicherungsrechtliche Rahmenbedingungen für die betriebliche Altersvorsorge (bAV) und das Sozialpartnermodell für Arbeitgeber.

Freibetrag in der Grundsicherung

Eigenvorsorge soll sich in jedem Fall lohnen!

Das gilt für Leistungen aus einer zusätzlichen Altersversorgung, das heißt aus einer betrieblichen Altersvorsorge, Basisrente oder einem Riester-Vertrag. Bisher wurden diese Leistungen auf die staatlich zugesicherte Mindestversorgung, auch Grundsicherung genannt, angerechnet.
Seit 2018 gibt es nun einen Freibetrag, damit nicht mehr die volle zusätzliche Altersrente angerechnet wird.

Künftig bleiben monatliche Renten bis zu 212 Euro unberücksichtigt (Freibetrag), und die Rentner haben mehr von ihrer zusätzlichen Vorsorge und damit mehr Geld zur Verfügung.

Erhöhung des Förderrahmens

Bisher konnte ein Arbeitnehmer jährlich bis zu 4 % der Beitrags¬bemessungsgrenze in der allgemeinen Rentenversicherung West (BBG) steuer- und sozialversicherungsfrei in eine Betriebsrente einzahlen. Man spricht hierbei auch vom „Förderrahmen“.
Zusätzlich konnten bis zu 1.800 Euro pro Jahr steuerfrei in die Betriebsrente eingebracht werden. Voraussetzung war allerdings, dass nicht in einen alten Vertrag nach § 40b EStG a.F. einbezahlt wurde.
Mit Inkrafttreten des BRSG wurde nun der Förderrahmen von 4 % auf 8 % der Beitrags-bemessungsgrenze erweitert (§ 3 Nr. 63 EStG). Im Jahr 2019 entspricht das einem Betrag von 6.432 Euro. Der zusätzliche Steuerfreibetrag von 1.800 EUR pro Jahr ist entfallen.
Beiträge zu Gunsten einer Direktversicherung nach „altem Recht“, § 40b EStG a. F., werden von den 8 % der BBG abgezogen.
Die Sozialversicherungsfreiheit der Beiträge bleibt weiterhin auf 4 % der BBG begrenzt.

Förderbetrag für Einkommen bis 2.200 Euro im Monat

Neu mit dem BRSG hinzugekommen ist der sogenannte Förderbetrag für Arbeitnehmer mit einem Einkommen von maximal 2.200 Euro brutto im Monat.
Arbeitgeber werden vom Staat gefördert, wenn sie diesen Arbeitnehmern einen Zuschuss zur betrieblichen Altersvorsorge zahlen. Voraussetzung ist, dass der Arbeitgeber hierzu eine neue betriebliche Altersvorsorge einrichtet und mindestens 240 Euro bis höchstens 480 Euro im Jahr, etwa in eine Direktversicherung, einzahlt.
Die staatliche Förderung in Höhe von 30 % der oben genannten Arbeitgeberbeiträge soll den Unternehmen einen Anreiz bieten, dem betroffenen Personenkreis eine Betriebsrente anzubieten.

Verpflichtende Weitergabe der Sozialversicherungsersparnis

Schließt ein Arbeitnehmer eine Betriebsrente durch Gehaltsumwandlung ab, so muss der Arbeitgeber einen pauschalen Zuschuss in Höhe von 15 % des Umwandlungs¬betrages zahlen, soweit er durch die Entgeltumwandlung Sozialversicherungsbeiträge spart.
Dies gilt für neue Entgeltumwandlungsvereinbarungen ab dem 01.01.2019 und für bestehende Vereinbarungen ab dem 01.01.2022.

Verbesserungen bei Riester-Verträgen in der betrieblichen Altersvorsorge

Für einen Riester-Vertrag in der bAV müssen seit 2018 in der Rentenphase keine Sozial-versicherungsbeiträge mehr auf die Leistungen gezahlt werden. Damit ist der Riester-Vertrag in der betrieblichen Altersvorsorge dem privaten Riester-Vertrag gleichgestellt. Dies gilt auch für bereits bestehende Riester-Verträge in der bAV.
Außerdem wurden die Zulagen von 154 auf 175 Euro jährlich erhöht.

Möglichkeiten der Beitragsnachzahlung

Wenn das Arbeitsverhältnis mindestens ein Jahr ruht, wie etwa in der Elternzeit, Pflegezeit für Angehörige oder während eines Sabbaticals, können oft aus finanziellen Gründen keine Beiträge zur Altersvorsorge geleistet werden. Eine möglichst lückenlose Beitragszahlung ist aber für den Aufbau einer zusätzlichen Vorsorge sehr wichtig.
Mit dem Betriebsrentenstärkungsgesetz erhalten Arbeitnehmer nun eine Nach¬zahlungs-möglichkeit. Arbeitnehmer, bei denen die Voraussetzungen vorliegen, können für jedes Jahr ohne Gehalt eine Nachzahlung in Höhe von 8 % der aktuellen Beitragsbemessungsgrenze leisten. Dabei können auch entgeltlose Dienstjahre vor dem 01.01.2018 einbezogen werden. Voraussetzung ist, dass die Nachzahlung spätestens zum Ende jenes Kalenderjahres vorgenommen wird, das auf das Ende der entgeltlosen Phase folgt. Insgesamt können höchstens 10 Jahre nachgezahlt werden.
Die maximale Nachzahlung beträgt 10 Jahre x 8 % der Beitragsbemessungsgrenze.

Opting out-Verfahren

Meistens ist die betriebliche Altersvorsorge in Unternehmen so gestaltet, dass sich die Beschäftigten aktiv für den Abschluss einer betrieblichen Altersvorsorge entscheiden müssen. Wer nicht aktiv wird, baut keine Betriebsrente auf.
Das so genannte Opting out kehrt dieses Verfahren um: Es werden alle Beschäftigten zu einem definierten Zeitpunkt, etwa nach Ende der Probezeit, angemeldet. Nur wer aktiv widerspricht, nimmt nicht an der Entgeltumwandlung teil.
Seit 2018 ist für die Anwendung des Opting out-Modells grundsätzlich ein Tarifvertrag erforderlich. Nicht tarifgebundene Arbeitgeber können sich wie bisher auch an Tarifverträge anlehnen.

Vervielfältigungsregel vereinfacht

Zusätzlich zu den genannten Änderungen wurde auch die Vervielfältigungsregel des § 3 Nr. 63 EStG geändert und vereinfacht.
Bislang konnten Arbeitnehmer beim Ausscheiden aus einem Unternehmen zusätzliche Beiträge, etwa eine Abfindung, steuerfrei in ihre betriebliche Altersvorsorge einzahlen. Die maximale Höhe des steuerfreien Betrages hing von der Dienstzeit und den schon gezahlten Beiträgen in die bAV ab.
Diese komplizierte Berechnung ist nun entfallen. Der Vervielfältigungsbetrag ermittelt sich seit 2018, indem die Dienstzeit (maximal 10 Dienstjahre) mit 4 % der aktuellen Beitragsbemessungsgrenze multipliziert wird. Dadurch wird die Vervielfältigungsregelung deutlich vereinfacht.

Das Sozialpartnermodell

Das Sozialpartnermodell ist eine Vereinbarung über eine betriebliche Altersvorsorge, die Tarifvertragsparteien, also Arbeitgeber und Gewerkschaften, in den Tarifvertrag aufnehmen können. Das Sozialpartnermodell gilt in allen Unternehmen, die dem entsprechenden Tarifvertrag unterliegen.
Die betriebliche Altersvorsorge muss dann u. a. die nachfolgend genannten, vom Gesetzgeber festgelegten Bedingungen erfüllen.

Reine Beitragszusage

Das Herzstück des Sozialpartnermodells – die sogenannte „Nahles-Rente“ – ist die Einführung einer reinen Beitragszusage. Bei einer reinen Beitragszusage garantiert der Arbeitgeber seinem Arbeitnehmer die Zahlung eines bestimmten Beitrags in seine betriebliche Altersvorsorge. Für die Höhe der daraus resultierenden Altersrente gibt es keine Garantie.
Den Beitrag zahlt der Arbeitgeber an eine Versorgungseinrichtung. Dies kann auch ein Versicherungsunternehmen sein. Die Versorgungseinrichtung erbringt die Leistung, darf diese aber nicht garantieren. Um ein bestimmtes Versorgungsniveau zu erreichen, kann der Tarifvertrag einen zusätzlichen Sicherungsbeitrag vorsehen, den allein der Arbeitgeber bezahlt.
Als Leistungen aus dem Sozialpartnermodell sind ausschließlich Rentenzahlungen möglich. Kapitalzahlungen sind hier ausgeschlossen.

So wirkt sich das Betriebsrentenstärkungsgesetz aus !

Wenn Sie Arbeitnehmer sind

Grundsätzlich gilt für Sie:

  • Alle so genannten Durchführungswege der betrieblichen Altersvorsorge bleiben bestehen und werden auch weiterhin angeboten.
  • Bestehende Verträge können von Arbeitnehmern unverändert weitergeführt werden.
  • Arbeitnehmer, die bereits jetzt eine Betriebsrente besitzen, profitieren ebenfalls seit dem 01.01.2018 von den Neuerungen.

Informieren Sie sich einfach über die Änderungen und deren Auswirkungen. Überprüfen Sie Ihre betriebliche Altersvorsorge unter anderem auf die Aspekte Arbeitgeberleistungen, Entgeltumwandlung und Zuschüsse.

Wenn Sie Arbeitgeber sind

Das Sozialpartnermodell betrifft nicht alle Arbeitgeber. Die Teilnahme am Sozialpartnermodell ist nur den Arbeitgebern möglich, die der Tarifbindung unterliegen. Nichttarifgebundene Arbeitgeber können ein Sozialpartnermodell auch nutzen, wenn der einschlägige Tarifvertrag dies ermöglicht.
Die verbesserten Rahmenbedingungen betreffen indes alle Unternehmen. Über diese sollten Sie Bescheid wissen.
Da jede Firma ihr eigenes und individuelles Versorgungssystem hat, wirken sich die Neuerungen unterschiedlich aus. Einige Regelungen vereinfachen die betriebliche Altersvorsorge oder bieten neue Möglichkeiten.

Beispiele aus der Praxis:

Beschäftigte, die aus der Elternzeit zurückkehren, haben nun die Möglichkeit, die dadurch „fehlenden“ Beiträge steuerfrei nachzuzahlen.
Oft gibt das zugrundeliegende Vertragswerk keine über den vereinbarten Umwandlungsbetrag hinausgehenden Beitragszahlungen her. Steuerlich ist das genauso problematisch wie von Seiten der Versicherer, die vereinbarte Einzahlungen in bestehende Verträge nicht akzeptieren würden.

Lassen sich Verträge nicht einfach um zusätzliche Arbeitgeberbeiträge aufstocken, gibt es nur zwei Möglichkeiten: ein neuer Vertrag muss abgeschlossen werden oder der Arbeitnehmervertrag muss um den Arbeitgeberzuschuss gekürzt werden. Die Verkürzungsvariante wirft jedoch in der Praxis eine Frage auf: Wie muss der Arbeitgeber vertragliche Umwandlungsvereinbarungen anpassen?

Fazit:

Wie Sie sehen bietet das neue BRSG viele Möglichkeiten. Für Arbeitgeber ist es jedoch unverzichtbar sich rechtzeitig zu informieren, um nicht plötzlich einer Doppelbelastung oder steuerlichen Risiken ausgesetzt zu sein.

Alle Versicherungsberater der Firma VIMA GmbH & Co.KG helfen Ihnen gerne weiter.
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